Gradido

018 - Gradido, Wirtschaft des Lebens

Podcast

Hast Du Dir schon einmal überlegt, wie unsere Welt aussähe, wenn unsere Wirtschaft anders aufgebaut wäre? Margret Baier und Bernd Hückstädt machen genau das in ihrer Gradido-Akademie und sind dabei auf interessante Ansätze gestossen, die uns nicht in die Steinzeit zurück katapultieren.

Gradido sucht den anderen andere Weg

Unser Finanzsystem liegt mehr oder weniger am Boden. Das aktuell alles überragende Thema Corona drängt das zwar in den Hintergrund, aber es ist so: Die Staatsverschuldung nimmt weltweit zu, die Inflation steigt und wird die Schulden entwerten. Einige wenige profitieren, der grosse Rest steht auf der anderen Seite. Klar ist: Dieses System wird es nie schaffen, dass es allen gut geht und unsere Wirtschaft wirklich nachhaltig wird.

Margret und Bernd befassen sich in ihrer Akademie mit diesem Problem und leben damit ihren Traum - oder etwa doch nicht?

Das Gespräch mit den beiden dauert rund 30 Minuten und ich gebe es hier nur bruchstückhaft wieder:

Die Charaktermenschen hinter Gradido

Bernd war Tonmeister und Komponist von Werbemusik. Ebenfalls hatte er Mathematik studiert. Seit seiner Kindheit beschäftigte ihn die Frage nach Arm und Reich. Dieses Thema wurde immer stärker, zum Schluss so stark, dass es ihn sogar während grossen Auftragskompositionen beschäftigte. Irgendwann war für Bernd klar, dass dieses Thema seine grosse Lebensaufgabe ist und er sich umorientieren wollte. Dies war um das Jahr 2000.

Margret stammt aus einer Grossfamilie und machte ein klassische kaufmännische Ausbildung. Anschliessend arbeitete sie im sozialen Bereich und begann zu merken, dass "etwas nicht stimmte". Sie sah die Unterschiede, merkte, dass etwas nicht richtig war, konnte es aber noch nicht so genau definieren. Dann arbeitete sie im fairen Handel, machte ein Abendstudium an der freien Kunstschule und ging dann nach Ecuador. Dort lebte sie in einem Slum und merkte dann nach ihrer ersten Rückkehr nach Deutschland, dass offensichtlich sehr viel nicht stimmte. Die Erlebnisse in Ecuador führten ihr direkt vor Augen, was sie schon immer gewusst und gespürt hatte.

So fasste sie die Entscheidung, dass sie Verantwortung übernehmen wollte aus Dankbarkeit fürs Leben. Wie die auszusehen hatte, wusste sie allerdings noch nicht.

2000 lernte sie dann Bernd kennen. Er erzählte ihr die Geschichte von Joytopia, die im (Hör-) Buch enthalten ist. Diese Geschichte packte sie und beantwortete ihr ihre Fragen. Viele Ungerechtigkeiten passen nur auf Grund unseres Wirtschafts- und Finanzsystems. Sie wollte da ihre Lebensenergie reinbringen. Und seit 2000 entwickeln sie Gradido weiter.

Wieso Gradido?

Sie suchten Lösungen, wie sie die Schere zwischen Arm und Reich schliessen konnten, anstatt sie immer weiter aufgehen zu lassen. Bernd hatte schon viele Modelle und Ansätze erstellt, fand aber noch keine Lösung. Dann gab es einen entscheidenden Impuls, der Gradido richtig ins Rollen brachte und die Frage stellte, die hinter dem Projekt steckt: "Wie macht es die Natur?"

Unsere gängige Wirtschaft läuft vielfach gegen die Naturgesetze. Gradido bedient sich der "Wirtschafts-Bionik", d.h., es beobachtet die Natur und erstellt die Regeln basierend auf diesen Beobachtungen.

Zu Beginn entwickelten sie Gradido nebenberuflich, um finanziell unabhängig zu sein und keinen anderen Interessen (z.B. von Sponsoren) unterworfen zu sein. Die ersten 15 Jahre waren einerseits sehr anspruchsvoll, dies finanziell stemmen zu können, aber auch sehr frei und befreiend.

Mittlerweile sind mehrere Tausend Menschen Mitglied im Netzwerk Gradido und seit ca. drei Jahren sind beide vollberuflich für Gradido unterwegs.

Schritt ins Ungewisse trotz Existenzängsten

Der Schritt vom nebenberuflichen Projekt zum Vollzeit-Job war nicht einfach. Margret sagt rückblickend, dass Sie zu Beginn schon noch Bedenken hatte, vor allem auch aus Sicherheitsgründen. Allerdings war es so, dass es gar nicht mehr ging, zu arbeiten und Gradido nebenberuflich zu betreiben. Der Schritt und die Selbständigkeit war befreiend und zeigten auf, wie viel Energie die Zweigleisigkeit verpufft hatte.

Rückblickend war es für ihr Projekt sogar vorteilhaft, dass sie den Sprung gewagt hatten: Dadurch, dass die Sicherheit wegfiel, spürten sie am eigenen Leib, was es heisst, mit wenig(er) auszukommen. So konnten sie Phasen in ihrem Leben erfahren, die es ihnen erlaubten, die damit gemachten Erfahrungen einfliessen zu lassen.

Heute trägt das Netzwerk Margret und Bernd. Sie haben Förderinnen und Förderer, die das Projekt finanzieren. Das funktioniert so gut, dass sie ein ganzes Team beschäftigen können. So gehören 8 Programmiere dazu, Menschen für Support, Webseite und weitere. Die Menschen können bescheiden von ihrer Vision leben. Im freien Markt würden alle ein Mehrfaches verdienen, aber das ist für niemandem im Team das wichtigste Kriterium.

Spannend sei auch, dass man viel weniger Geld brauche, wenn man einen Lebensinhalt habe. "Brotberufe" führten oft dazu, dass man dann in der Freizeit viel Geld brauche, um sich das zu leisten, was man gerne tut. Wenn man aber seine Vision lebe, gebe es keinen Unterschied zwischen Arbeit und Freizeit und man brauche kein "Schmerzensgeld" mehr.

Unterschiedliche Reaktionen aus dem Umfeld

Viele Freunde und Bekannte verstanden die beiden nicht und so verloren sie doch einige Menschen in ihrem Umfeld. Dafür hätten sie viele neue Menschen kennen gelernt. 2020 spürten beide, dass jetzt die Zeit reif sei für Gradido, unter anderem auch dank Corona. Jetzt würden die Leute spüren, dass es höchste Zeit sei, ein neues Lebensmodel in die Welt zu bringen. Und Gradido kann da definitiv mehr als nur einen Ansatz bieten, wie Bernd erklärt.

Einfach ausgedrückt ist Gradido ist ein neues Geld- und Wirtschaftssystem, für weltweiten Wohlstand und Frieden in Harmonie mit der Natur und basiert auf Naturgesetzen. Als Beispiel führt Bernd das Zyklische, das Werden und Vergehen, in der Natur an: "Unser "altes" Wirtschaftssystem will immer nur wachsen. Das gibt es in der Natur nicht. Nichts wächst unendlich, ohne auch Vergänglichkeit in sich zu haben."

Das Konzept

Der Kreislauf von Werden und Vergehen sollte so in ein Wirtschaftssystem integriert sein, dass es uns nicht schmerzlich trifft (wie z.B. ein Finanzcrash). Unter Gradido erhält jeder Mensche ein aktives Grundeinkommen (z.B. 1000 Gradido). Das heisst, dass sie/er arbeitet und sich aktiv in die Gesellschaft einbringt und dafür ein Grundeinkommen erhält. Ebenfalls erhalten die Staaten dieselbe Summe pro Einwohner für ihre Dienste (1000 Gradido, das entspricht den heutigen Steuern). Der dritte Drittel, also wieder 1000 Gradido pro Mensch, fliessen in einen Fonds zur Behebung von Umweltschäden und zur Unterstützung von Firmen, die nachhaltige Produkte/Dienstleistungen anbieten. Das Geld verliert konstant wieder an Wert, so dass die natürliche Vergänglichkeit gegeben ist. Im Moment gibt es Gradido bereits als "Rabattmarken" und man kann ein Konto eröffnen.

Dieses Konzept in die Welt zu bringen ist nicht ganz einfach, aber das Netzwerk wächst immer weiter. Zudem gehen beide davon aus, dass der nächste grosse Crash unseres gegenwärtigen Systems ansteht.

Wer mehr über das spannende Projekt erfahren möchte, kann dies auf der Webseite von Gradido machen. Dort geht es auch zum Konto und zum Gratis-E-book, das Gradido vertieft vorstellt.

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